Unser Erbs’chen
Mit nahendem Datum stieg in mir immer mehr die Unruhe auf, zum einen, weil noch die Hochzeit von meinem Bruder bevorstand, ich nicht sicher war dabei sein zu können, zum anderen weil die Tage nach ET (20.07) verstrichen und ich bammelte, ob du dich rechtzeitig von selbst ankündigen wirst. Natürlich auch wegen meiner ersten Geburt und der ganzen Lebensveränderungen, die danach auf uns warteten. Werden die Wehen kommen? Muss ich noch mal wirklich zum Frauenarzt und müssen wir dann einleiten?
Doch in der Nacht, es war schon der 27.07. um ca 3 Uhr, wachte ich auf, weil ich “Bauchschmerzen“ spürte- ein Ziehen im Unterleib, dass immer wieder kam. Waren das etwa Wehen? Ich machte mir trotzdem einen Tee und eine Wärmflasche und ging wieder ins Bett. Zwar wachte ich bei jeder Wehe auf, doch zwischendurch konnte ich bis zum Morgen schlafen und ließ meinen Partner in Ruhe schlafen, damit wir beide Kraft tanken konnten.
Morgens wurde die Aufregung dann größer, auch durch das tatsächliche Realisieren, dass ich hier wirklich gerade Wehen erlebe und die Geburt sich nun ankündigt. Wir hatten noch Zeit und ich konnte die Wehen noch ohne Probleme veratmen. So kuschelten wir noch, frühstückten, packten die Taschen fertig, gingen spazieren am Fluss, wobei wir schon mit dem Hebammenhaus Rücksprache hielten und machten noch etwas Yoga im Garten. So langsam merkte ich, dass die Wellen stärker wurden und es für mich schwieriger wurde sie zu veratmen und mich auf andere Dinge zu fokussieren. Tatsächlich hat es mir später geholfen, dass ich noch ein Video über Atemtechniken ansah. Nun musste aber, zurück in der Wohnung, Gabriel mir immer mehr helfen, meinen Rücken zu halten, da ich dort Schmerzen verspürte. Ich hatte die Überlegung schon zuhause in die Wanne zu steigen, hatte aber auch Sorge dort nicht mehr raus zu kommen… und etwa 12 h nach der ersten Wehe war mir dann klar, dass ich anfing mich zuhause nicht mehr ganz wohl zu fühlen und dass ich auch wissen wollte, wie weit ich denn jetzt war.
Ich hatte ca 4 Wehen in 20 min. Die Mutter von meinem Partner fuhr uns und war auch die ganze Geburt über dabei. Als wir im Hebammenhaus waren, hatte unsere Hebamme von außen zuerst den Eindruck, es sei gut möglich wir gehen nochmals nach Hause. Doch sie stellte dann fest, dass der Muttermund schon 3-4 cm geöffnet war, was mich sehr erleichterte. Ich glaube sonst wäre ich nach all den Schmerzen schon entmutigt worden. So gingen wir in die Badewanne wo das warme Wasser die Wehen ankurbelte. Ich spürte wie unser damals noch liebevoll genanntes Erbs’chen bei jeder Wehe kräftig mitschob. Ich bin meinem Partner sehr dankbar, der mich bei jeder Wehe unterstützte. Die für mich intuitiv angenehmste oder sicherste Haltung war das Abstützen oder befinden im 4-Füßler. Leider brachte mir die Temperatur der ersten Wanne ein ziemliches Kreislauf-Problem und ich stieg wieder aus, musste mich auf den Rücken legen und bekam kühle Waschlappen. Irgendwann hatte ich deutlich den Drang, aufs Klo zu gehen und war mir dann nicht sicher, ob es Baby oder Groß ist. Der Rat der Hebamme half auf alle Fälle, auf der Toilette zu sitzen, um ganz loszulassen und zu spüren, dass es wirklich Presswehen sind. Ich ging dann nochmal ins Wasser, diesmal wollte ich allein in der Wanne sein, um genug Platz zu haben. Immer wieder sagte ich, dass ein Kind genug ist, dass ich keine Lust mehr hab und ich krass finde wie das meine Mutter mit 5 Kindern nur gemacht hat. Das Brüllen war wichtig, nicht weil es schmerzte sondern um mit dem Schmerz zurecht zukommen und die Kräfte zu bündeln. Ich hatte noch zwei Tage Halsschmerzen davon. Es war ein krasses Gefühl von Dehnen, Kokosnuss-Kacken und ich hatte auch etwas Angst, dass was reißen könnte. Was um mich herum passierte bekam ich nicht mit. Im Inneren hab ich es aber geschafft, mich noch mal selbst aufzubauen, mich mit meinem Kind zu verbinden und den Willen gestärkt, es gemeinsam zu schaffen. Nach ca 12 Presswehen und 2x Mal wieder zurückgehen (frustrierend) kam er tatsächlich heraus und der Rest ohne Mühe mit einer Wehe nach. Dein Papa fing dich gerade noch auf und empfing dich um 18:50 mit seinen Händen auf der Welt. Die ganzen Schmerzwellen waren plötzlich vorbei und ich war wieder da, aber völlig fertig. Ich war erleichtert, quasi sofort deinen ersten, kurzen Schrei zu hören, habe aber noch einen Moment gebraucht um dich auch, noch in der Badewanne sitzend zu empfangen und konnte alles noch gar nicht begreifen. Das schönste, faltigste Geschöpf, dass ich bisher gesehen hab. Nach ein paar Minuten der Spannung wollten natürlich alle dein Geschlecht wissen. Für viele war es überraschend, dass du ein Junge bist! Im roten Wasser saßen wir noch eine Weile, warteten noch auf die Nachgeburt und auf das Auspulsieren der Nabelschnur. Du warst schon sehr schnell auf der Suche nach Milch. Um dich und mich wurde sich gut gekümmert. Wir wurden ans Bett gebracht, als ich untersucht wurde (Schürfwunden, eine etwas tiefere aber sonst gut) warst du bei deinem Vater im Arm und sonst neben mir. Sehr vital und zärtlich. Die Oma und der Papa haben Spaghetti gekocht, das tat sehr gut und wir versuchten das erste Stillen. Es hat etwas gedauert, aber schließlich hat es geklappt. Mit Orangensaft und einem kleinen Stück Kuchen und Kerze feierten wir dort deinen Geburtstag. Bis ca 23:30 Uhr durften wir im Hebammenhaus bleiben, wurden dann aber gebeten nach Hause zu gehen. Ich wollte sowieso nur noch schlafen. Ich bin den Hebammen, deinem Papa, der Oma und dir sehr dankbar. Ich habe das Hebammenhaus als sehr geschützten Ort empfunden und konnte mich einfach voll auf die Geburt einlassen. Die Hebammen haben nach meinem Empfinden sehr fein gespürt, wann sie helfen konnten und wann sie nicht gebraucht wurden.
Es ist schön, dass du da bist Rasmus und ich kann mit sehr viel Stolz auf die Geburt zurückblicken.