Eine Woche vor der Geburt standen die Zeichen schon auf Geburtsstart, aber dann wurde erst der große Bruder und dann der Rest der Familie krank. Deshalb wartete mein Körper noch, bis ich fit genug war, und so gingen wir dieses Mal über den errechneten Geburtstermin.
Aufgrund des geschätzten Gewichts wurde uns von der Gynäkologin zu einer Einleitung geraten, aber aufgrund meiner Krankheit und einer Zweitmeinung entschieden wir uns dagegen.
Zwei Tage nach ET ging wie bereits eine Woche vorher der Schleimpfropf ab und es setzten abends deutlich spürbare Wellen ein, mit denen ich aber gut umgehen konnte. Ich wusste, dass es in dieser oder spätestens in der Nacht darauf losgehen würde. Da der Papa noch ziemlich krank war, ging ich irgendwann ins Bett und wir waren froh, dass es nachts ruhig blieb. Am Tag danach hatte ich tagsüber wieder unregelmäßige Wellen, die zum Abend hin immer kräftiger und regelmäßiger wurden. Der Papa ging mit dem großen Bruder früh ins Bett, um sich nochmal Schlaf zu holen, und ich entschied, um 21 Uhr auch schlafen zu gehen, um fit zu sein, falls die Geburt richtig losging. Gegen 23:30 Uhr wurde ich von den Wellen geweckt und begann, die Abstände zu tracken. Da hatte ich jede 8 Minuten eine Welle. Ich war etwas unruhig und begann, zwischen Sofa und Bett hin und her zu wechseln. Um 1 Uhr verlor ich etwas Flüssigkeit und dachte, es wäre vielleicht wie beim großen Bruder ein Blasensprung. Es stellte sich aber später heraus, dass es wahrscheinlich Reste des Schleimpfropfs waren. Ich weckte dann aber den Papa und sagte ihm, dass die Geburt losgeht. Er stand auf und bereitete alles für das Geburtshaus vor, und wir informierten Celine, die in dieser Nacht Rufbereitschaft hatte. Sie meinte, wir dürften schon kommen, sie wären bereits im Geburtshaus, aber wir entschieden uns, noch etwas zu warten. Die Wellen kamen regelmäßig, ich konnte sie gut veratmen, und ich machte mich dann auch fertig. So vergingen noch fast zwei Stunden, in denen der Abstand etwas geringer wurde, ich aber weiterhin sehr gut mit den Wellen umgehen konnte. Da es in dieser Nacht sehr glatt war, entschieden wir gegen 3 Uhr, die Oma anzurufen, um nicht zu spät loszufahren. Sie war schnell da, und wir kündigten um halb 4 im Geburtshaus an, dass wir uns auf den Weg machen würden. Ich verabschiedete meinen schlafenden Sohn und wir kamen um kurz nach 4 Uhr im Geburtshaus an, wo wir von Julia Steinmann empfangen wurden.
Ich erinnerte mich durch die wunderschöne Stimmung sofort an meine erste Geburt und fühlte mich sehr wohl. Dieses Mal waren wir im zweiten Geburtsraum und durften dort erstmal in Ruhe ankommen. Julia führte eine kleine Untersuchung durch und ich bewegte mich ganz intuitiv im Raum. Es verging eine Zeit und ich merkte, dass ich doch sehr müde war. Wir versuchten auf dem Bett nochmal etwas zur Ruhe zu kommen, was mir aber nicht gelang, da ich die Wellen im Liegen als sehr schmerzhaft empfand.
Ich hatte jedoch das Glück, dass die Badewanne inzwischen frei war und Julia diese für mich vorbereitet hatte. Also ging ich morgens gegen 7 Uhr in die Badewanne. Dort beruhigten sich die Wellen deutlich und mein Körper konnte nochmal Kraft tanken. Ich war schon etwas besorgt, dass die Geburt nun ins Stocken geriet und entschied deshalb etwa um 8 Uhr, dass ich die Wanne nochmal verlassen wollte.
Aus der Wanne draußen nahmen die Wellen sofort wieder an Intensität zu und ich bat Julia um eine Untersuchung. Ich brauchte einen Anhaltspunkt, wie weit wir fortgeschritten waren. Bei der Untersuchung zeigte sich, dass ich bei 6-7cm Muttermundsöffnung war und die Fruchtblase noch intakt war. Julia versicherte mir, dass mein Baby nur noch mit dem Hinterkopf etwas tiefer kommen musste, damit die Presswehen einsetzen würden. Ich war daraufhin wieder motivierter und begab mich in den Vierfüßlerstand vor das Bett. Ich merkte, dass die Wellen nochmals deutlich kräftiger wurden und Julia bestätigte, dass ich in der Übergangsphase sei.
Irgendwann hatte ich das Gefühl, nochmal zur Toilette zu müssen und dort merkte ich sehr schnell einen Pressdrang. Nach kurzer Rücksprache mit Julia versicherte sie mir, dass ich pressen konnte, wenn mein Körper mir das Signal geben würde. Sie fragte, ob ich für die letzte Phase wieder zurück in die Wanne wollte, was ich gerne tat. Nun kam auch die zweite Hebamme Steffi dazu. Ich suchte mir eine geeignete Position und fühlte mich kniend am wohlsten. Es dauerte nur ein paar Presswehen und ich spürte, wie mein Baby schnell tiefer kam und der Kopf geboren wurde. Mit den nächsten Presswehen wurde an diesem verschneiten Wintermorgen um 10:11 Uhr der Körper geboren und ich nahm meine wunderschöne Tochter selbst in Empfang.
Wir begrüßten unser Baby und ich hatte Tränen in den Augen. Ich fühlte mich bei meiner zweiten Geburt so stark und selbstbestimmt. Ich war Julia und meinem Mann unglaublich dankbar für ihre Unterstützung und dass sie mir den Raum so halten konnten. Nachdem wir Zeit hatten zu bonden und das erste Stillen schon super klappte, fuhren wir um 14 Uhr nach Hause zum großen Bruder, der es kaum erwarten konnte, seine Schwester zu begrüßen.
Liebe Julia, liebe Steffi, liebes Team vom s’Hebammenhaus, danke von Herzen für eure Begleitung, eure Unterstützung, eure Worte, euer Wissen, euer Herz und eure Leidenschaft für das, was ihr tut.