Mittags verteilen wir noch Süßigkeiten auf dem Kinderumzug und 11 Stunden später bist du da- damit haben wir nun wirklich nicht gerechnet.
Nach einem schönen Fasnet-Familien-Tag ziehe ich mich am frühen Abend in die Badewanne zurück – mein Bauch ist hart, sehnt sich nach Wärme und Ruhe. Nicht unüblich, das kenne ich von den letzten Abenden auch schon. Mein Mann kocht die wohl beste Gemüsepfanne seiner Karriere, die wir abends gemeinsam genießen. Wir richten gegen 19 Uhr die beiden großen Jungs fürs Bett, mein Mann legt sie dann schlafen.
Ich räume die Küche auf und habe immer wieder den Gedanken – heute fühlt es sich doch ein bisschen anders an. Mein 3. Bauchbewohner verkrümelt sich ziemlich weit nach „unten“ – „ach, sicher nur Übungswehen.“, rede ich mir ein. Da die Nächte gerade echt mies sind, nehme ich mir vor, vor dem Schlafen noch etwas Meditatives zu tun und setze mich an den Schreibtisch und male an meinem Malen-nach-Zahlen-Bild weiter. Mein Mann gesellt sich zu mir ins Büro und wurstelt etwas an seinem PC. Ich schaue auf mein Handy, eine Nachricht meiner Hebamme: „Ich denke an dich, ist noch alle ruhig?“- Ich frage mich, wieso sie mir wohl 11 Tage vor ET schreibt, na klar ist noch alles ruhig (Spoiler: 6 h später liegt unser 3. Wunder schon in meinen Armen.) Ich schreibe, dass alles ruhig ist und dass ich hoffe, mich bald bei ihr mit tollen Neuigkeiten melden zu können. „Bling“- noch eine Nachricht – diesmal von einer sehr guten Freundin „Sie hat mich lieb und denkt im Gebet an mich.“ – ich schmunzle innerlich. Das muss doch was bedeuten?
Gegen 23 Uhr begeben wir uns ins Bett, reden noch ein bisschen und schlafen gegen 24 Uhr ein, mein Bauch immer mal wieder hart, der kleine Mann immer mal wieder am Strampeln. Um 1:00 Uhr, nach 1 erholsamen Stunde schlaf (:-)) wache ich auf, „Huch, wieso ist es hier nass?“, denke ich. Ich freue mich innerlich- ist das wohl Fruchtwasser? Ich stehe auf, gehe ins Bad – es tropft weiter. JAWOLL! Wie genial. Mein Gefühl täuschte mich nicht. Ich tigere ein bisschen nervös durch die Wohnung, stelle Babysitz und meine Tasche in die Küche, packe Snacks dazu. Geht es dieses mal wieder so schnell? 1:20 Uhr – erste gut aushaltbare Wehe. 1:22 Uhr 2. intensivere Wehe. 1:24 Uhr es geht so weiter.. ich werde etwas nervöser, diesen schnellen Start kenne ich von der Geburt unseres 2. Sohnes. Nur 1,5 h später und er war schon da. Ich mache meinen Mann wach, der freut sich total, dass es loszugehen scheint. Wir beten noch gemeinsam im Bett, rufen dann bei der Bereitschaftsnummer an, Christina H. hebt ab. Sie fragt, wie oft die Wehen kommen und ob es mein 1. Kind sei. „Ich habe etwas Sorge vor einem Fehlalarm“, sage ich ihr. Wir machen ab, dass ich mich in 20 Minuten wieder melde. Derweilen kümmert sich mein Mann um die Versorgung der großen Kinder. Die Wehen kommen weiter im 2 Minuten Abstand und werden intensiver. „Ok, wir müssen los!“ Mein Mann ruft wieder bei Christina an, ich richte alles fertig und gehe ins Auto. Ca. 2:10 Uhr Ankunft im Hebammenhaus. Mein Herz springt, als ich die Kerze brennend vor der Eingangstür sehe. Hoffentlich kommen wir hier in ein paar Stunden mit voller Babyschale wieder raus, ein Fehlalarm wäre schwer aushaltbar.
Christina öffnet die Tür, begrüßt uns liebevoll. Wir kommen in ein Raum herrlichen Ambientes, der vertraute HebammenhausDuft steigt mit in die Nase und ich werde ganz emotional. Ich sage gleich: „Christina, vorab: Bitte entschuldige, wenn es ein Fehlalarm ist, ich kann es gerade gar nicht einschätzen. Die 3. lassen sich ja manchmal bitten.“ Sie beruhigt mich, dass sie auch dafür da sei. Zack, weitere noch intensivere Wehe. Veratmen reicht nicht mehr, ich töne mit. Mein Mann macht meine vorab erstellte Playlist an. Die Musik beruhigt mich und ich Summe in den Wehenpausen etwas mit. Christina sagt: „Ich glaube nicht, dass das ein Fehlalarm ist. Willst du in die Wanne?“. Ich bejahe, eine Wassergeburt wäre toll. Das klappte bei den anderen Jungs nicht. 2:40 Uhr ich begebe mich in wohligwamres Wasser der Geburtshauswanne, das Licht ist gedämmt. Mir kommt ein Gedanke: Ohje, wie wird das Wasser wohl danach aussehen? Christina beruhigt mich mit „Lass alles geschehen“. Dieser Satz brennt sich in mein Kopf. Mein Mann an meiner Seite, Christina dokumentierend im Nebenzimmer, Lobpreis in meinen Ohren merke ich, dass es noch intensiver wird. Ich rufe nach Christina, kann den Schmerz nicht mehr veratmen, habe schnell den Drang des Mitschiebens, beuge mich an den Wannenrand und kralle mich in die Hand meines Mannes, der alles so liebevoll und ruhig begleitet. „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. Ich schaffe das nicht. WIRKLICH!“, höre ich mich sagen. Christina redet mir gut zu, fragt „darf ich mal fühlen?“- Klar. Noch konnte sie nichts tasten. Ich werde innerlich ängstlich. WAS? Bei diesen Schmerzen ist noch kein Köpfchen spürbar? Sie sagt, ich solle selbst tasten. Ich spüre ihn! Eine weitere Wehe des Mitschiebens und ich merke, der Kopf ist da. Da entdecke ich auch die Hebammenstudentin, die sich zu uns gesellt. Erschöpfung und pure Freude über das Köpfchen stellt sich ein, aber mein Körper gibt gleich wieder Gas. Ich kann es nicht aufhalten, auch nicht, wenn ich wollte. Eine weitere Presswehe und FLUTSCH, unser 3. Wunder gleitet smooth ins Wasser und anschließend in die Hände von Christina, die ihn mir direkt auf die Brust legt. Ich schaue erst sie, dann meinen Mann völlig entgeistert an. Das wars? Was? Wie? Wo? Wahnsinn! Elke, die 2. Hebamme kommt hinzu. Es ist 3:00 Uhr, unser Pelle schreit, das wohl süßeste Schreien der Welt. Wir kuscheln, freuen uns unendlich. Kurze Zeit später wird die Plazenta mit helfender Anweisung von Christina geboren. Wir kuscheln weiter, können die Schnelle der Geburt kaum fassen. Nach einigen Minuten des Auspulsierens der Nabelschnur schlägt sie vor, Pelle abzunabeln. Irgendwie ist mir noch nicht danach und ich frage, ob wir noch kurz warten können. „Alles, was und wie du willst.“, sagt sie und ich fühle mich so gesehen, gehört und wertgeschätzt.
Nach dem Abnabeln, welches mein Mann fachmännisch übernimmt, folgt eine liebevolle Begleitung raus aus der Wanne, ins warme Bett des Zimmers. Wir dürfen unseren kleinen Jungen in wohliger Atmosphäre kennenlernen, bis die Untersuchungen (natürlich auch in herrlich ruhiger Atmosphäre) stattfinden und wir anschließend nach Hause fahren. Voller Vorfreude und Dankbarkeit, Pelle seinen großen Brüdern vorzustellen, legen wir uns zu 3. ins Bett und dösen so lange, bis sie zu uns tapsen und vor Staunen kaum die Augen schließen können. Jetzt sind wir zu fünft und ich die einzige Frau in dieser Räuberbande – besser als ein Lottogewinn.
Das waren die schönsten Umstände, wie ich sie mir für eine Geburt nur wünschen konnte. Wie im Bilderbuch. Alles war wirklich rundum perfekt. Dennoch will ich dies nicht romantisieren oder gar glorifizieren- das war erneut eine pure Grenzerfahrung meines Körpers und die Schmerzen wirklich intensiv. Einen besseren Ort, diese Grenzerfahrung zu erleben, als das Hebammenhaus mit den kompetenten und einfühlsamen Geburtsbegleiterinnen, kann ich mir für mich jedoch nicht vorstellen! DANKE für alles.
P.S. Sogar mein Mann wurde immer wieder gefragt, ob er etwas bräuchte, Kaffee, Wasser etc. Genial, wie selbst die Männer als Nebendarsteller umsorgt werden 🙂